The Celluloid Closet
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Pink Apple

im Xenix

Oriented
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«Oriented»

Zurich Pride Week

Mord
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ER KÄMPFTE
FÜR DAS RECHT
AUF LIEBE

Überfallen und brutal ermordet in seiner Wohnung in Bangladesch.
Homophobe Islamisten haben in Bangladesh den Gründer der ersten und einzigen LGTB-Zeitschrift des Landes umgebracht. «Ein Mitstreiter und Freund ist tot», sagt Pink-Apple-Mitbegründer Thomas Müller.

Nach der Sitzung ein Blick aufs Handy. Sechs Mails von Tanveer innert einer guten Stunde: «Ruf sofort an!! Bitte... Xulhaz ist tot... Sie haben ihn umgebracht.» Das war am späteren Montagnachmittag des 25. Aprils 2016, drei Tage vor dem Start des diesjährigen Pink Apple.
Ich hatte Xulhaz Mannan 2007 kennengelernt, als ich einige Zeit in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, arbeitete. Über viele Umwege hatte ich erfahren, dass da jemand klandestin schwule Filme zeige, ein Mini-Pink-Apple auf bangladeschi Art, sozusagen. Mit «Celluloid Closet» und ein paar anderen mitgebrachten DVDs traf ich ihn nach mehreren Mails und Telefonaten schliesslich zu einem Tee. Es wurden zwei, nein drei und eine angeregte Unterhaltung daraus.

Männer Hand in Hand
Er erklärte mir, wie man Heteros und Schwule auseinanderhält: «Wenn du auf der Strasse zwei Männer Hand in Hand siehst, sind es garantiert Heten, Schwule würden nie so rumlaufen.» Wir sahen uns öfters während meiner drei Monate im Land, freundeten uns an, diskutierten über gesellschaftliche Ansichten, homopolitische Aktivitäten oder machten mal einen kleinen Ausflug in die verwunschene Stadt Sonargaon.
Nach meiner Abreise wollten wir in Kontakt bleiben, und tatsächlich trafen wir uns 2009 in Südindien wieder, bereisten zweieinhalb Wochen das Land. Wie Pink Apple in Zürich und Frauenfeld waren auch die queeren Aktivitäten in Dhaka angewachsen. 2012, während drei Wochen Ferien in Bangladesch, traf ich Xulhaz natürlich auch. Seine Wohnung war inzwischen zu einer Basis schwuler Aktivisten geworden. 2013 machte er auf dem Rückweg von einem Besuch bei seiner Schwester in den USA hier in Zürich halt, und kommenden Dezember hätten wir uns wiedersehen wollen.

Täter gelangten mit einer List ins Haus
Und jetzt diese schreckliche Nachricht, die sich nach und nach zu einer traurigen Gewissheit verdichtet: Fünf oder sechs unbekannte Männer überfielen Xulhaz in seiner Wohnung in der Hauptstadt Dhaka. Als Mitarbeiter eines Kurierdienstes verkleidet gelangten die Täter ins Haus. Mit Macheten hieben sie auf seinen Kopf ein, bis er tot war. Er starb mit 39 Jahren in einer Blutlache. Tanay Majumder, ein Freund, der zugegen war, ebenfalls ein Queer-Aktivist, wurde genauso brutal getötet. Die hochbetagte Mutter von Xulhaz verschonten die Täter. Sie entkamen unerkannt.

Bekennerschreiben von Fundamentalisten
Eine fundamentalistische islamische Gruppe namens Ansar Al Islam bekannte sich am Dienstag zur Tat. Ihre Begründung: Xulhaz Mannan und Tanay Majumder seien hingerichtet worden, weil sie Homosexualität praktiziert und gefördert hätten.
Angst vor Homophobie habe er keine, sagte Xulhaz vor gut drei Jahren bei seinem Besuch in Zürich. Von Angst wolle er sich nicht leiten lassen. Dennoch war er stets vorsichtig. Er trete einzig «für das Menschenrecht auf Liebe» ein, beschied er jeweils jenen, die ihm Förderung von Homosexualität vorwarfen.  Auf einem Spaziergang vom Uetliberg zur Felsenegg skizzierte der Soziologe mit einem Abschluss in Friedens- und Konfliktforschung seine Pläne – unterbrochen von Ausrufen der Begeisterung über die sattgrünen Hügelzüge oder der Verblüffung angesichts des Selbstbedienungskühlschranks mit Kässeli auf dem Bauernhof am Weg. Behutsam und eingebettet in die gesellschaftlichen Realitäten wollte er gegen die Ächtung von schwulen, lesbischen, transgender und anderen queeren Leuten in seiner muslimischen Heimat angehen. Ohne Gay Prides im westlichen Stil, ohne Geld aus dem Ausland machte er sich daran, eine Bewegung zu schaffen, die breit getragen wird.

Bekennerschreiben
Bekennerschreiben auf der Website Ansaralislambd.wordpress.com

2014: Erste Ausgabe von «Roopbaan»
Im folgenden Sommer erschien zum ersten Mal sein LGBT-Magazin «Roopbaan». Das Heft erschien in der Landessprache Bangla und erreichte so viel breitere Schichten als es eine englischsprachige Publikation vermocht hätte. Unterschwellig war die erste Ausgabe ziemlich schwul, verbal aber relativ dezent. Die Autorinnen und Autoren schrieben unter Pseudonym, produziert wurde das Heft im Geheimen.
Für seine Zurückhaltung musste sich Xulhaz aus den eigenen Reihen auch Kritik gefallen lassen. Manch einer hätte sich deutlichere Worte und einen provokativeren Auftritt gewünscht, um die Gesellschaft aufzurütteln. Doch die Schar seiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter wurde grösser. Das ist seinem Charme und seiner manchmal an Sturheit grenzenden Zielstrebigkeit wohl ebenso zu verdanken wie seinem grossen Herz für all jene, die mit den vorgezeichneten Geschlechterrollen nicht allzu viel anfangen können. Und vielleicht auch der Tatsache, dass er viele der aufregendsten Partys der Stadt auf die Beine stellte, sei es bei ihm daheim oder mit Freunden in jeweils bis zuletzt geheimgehaltenen Lokalitäten. Das waren geschützte Räume in einer feindseligen Umgebung.

Anonymer Brief an den US-Botschafter
Er selbst sei noch nie in seinem Leben mit homophoben Reaktionen konfrontiert gewesen, schrieb Xulhaz noch im Sommer 2015 in einem längeren Artikel über queeres Leben in Bangladesch im indischen LGBT-Magazin «Pink Pages». Das scheint mir doch recht verharmlosend. Hatte er nicht mal von einer Begebenheit aus seiner Zeit als Mitarbeiter des US-Botschafters in Bangladesch erzählt, die typisch ist für die ständigen Pöbeleien, denen er ausgesetzt war? Als Protocol Officer war Xulhaz unter anderem für die Post des Botschafters zuständig. Eines Tages ging ein anonymer Brief ein, der einen namentlich nicht genannten Mitarbeiter der US-Botschaft denunzierte, der sich angeblich als Schwulenaktivist betätige. Xulhaz liess den Brief nicht verschwinden, wie es manch ein anderer es getan hätte, sondern übergab ihn dem Botschafter mit der Bemerkung: «Ach ja, dieser Mitarbeiter, das bin übrigens ich.» Der Botschafter stellte sich uneingeschränkt hinter ihn.
Eigentlich sah Xulhaz solche Vorkommnisse wohl tatsächlich nicht als Homophobie, eher als Unverständnis von Menschen, denen einfach noch niemand nachvollziehbar erklärt hat, worum es wirklich geht: um das Menschenrecht und die Freiheit zu lieben.

Aufruf zu Rainbow Rally am 14. April 2016
Mit der Zeit wagten die Leute von Roopbaan mehr und mehr. 2015 mischten sie sich farbenfroh unter den traditionellen Umzug zum bengalischen «Neujahr 1422», um (verbal immer noch dezent) gegen Diskriminierung anzutreten. Dieses Jahr aber riefen sie im Klartext zu einer «Rainbow Rally» für den «Neujahrsumzug 1423» am 14. April 2016 auf. Nun nannten sie die Sache beim Namen: Ausdrücke wie transgender, schwul, lesbisch, Diversität oder Toleranz standen in ihrem Pressecommuniqué.
Nach einem Verbot der Polizei sagte Roopbaan die Rally ab. Trotzdem wurden vier Aktivisten verhaftet. Xulhaz setzte sich auf dem Polizeiposten den ganzen Tag für sie ein. Später übergab die Polizei die vier der Gewahrsam ihrer Eltern, nicht ohne diese offiziell über die sexuelle Orientierung der Verhafteten zu informieren – nicht alle waren daheim geoutet.

Rainbow Rally
Rainbow-Rally vom 4. April 2015 in Dhaka, Bangladesch

Todesdrohungen: Keine Hilfe von der Polizei zu erwarten
Wie die englische Zeitung «The Telegraph» berichtet, erhielten Xulhaz und einige seiner Freunde in jüngster Zeit Todesdrohungen. Und über eine Facebook-Gruppe verbreiteten islamistische Fundamentalisten Drohungen gegen die Roopbaan-Aktivisten. An die Polizei wollten sich Xulhaz und seine Freunde nach den schlechten Erfahrungen in den Tagen zuvor nicht wenden. Seit der Verhaftung und dem anschliessenden Zwangsouting befürchteten sie dort nur noch Schlimmeres. Schliesslich ist Homosexualität in Bangladesch offiziell immer noch strafbar.
«Eines Tages schlitzen sie mir noch die Kehle auf», soll Xulhaz gewitzelt haben. Er hat sich getäuscht. Sie haben ihm den Kopf eingeschlagen.

Thomas Müller, Mitbegründer Pink Apple

Publikumspreis
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Publikumspreise

Als besten Spielfilm hat das Pink-Apple-Publikum die niederländische Actionkomödie «Chez nous» von Tim Oliehoek gekrönt – in Anwesenheit des Drehbuchautors Frank Houtappels. Auch in Frauenfeld wurde «Chez nous» zum Lieblingsfilm gewählt.
Als bester Dokumentarfilm wurde «She’s Beautiful When She’s Angry» gekürt, der die Frauenbewegung ab den 60ern Revue passieren lässt.
Informationen zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern.

Kurzfilmwettbewerb
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Short Film Award

Der Pink Apple Kurzfilm Award 2016 geht an die Mexikanerin Sandra Concepción Reynoso Estrada für ihren Kurzfilm «Carina». Die diesjährige Jury (Dominik Buser, Marianne Hänni, Maya Hostettler, Cesare Macri) hat ausserdem den Film «Hole» von Martin Enderlin mit einer Special Mention ausgezeichnet.
Den Kurzfilmwettbewerb gibt es seit 2001, ist mit 2000 Franken dotiert und wird von einer Fachjury vergeben.
Von den Nominierten waren Mikael Bundsen für «Mamma vet bäst» und Jessica Liander für «09:55 - 11:05, Ingrid Ekman, Bergsgatan 4B» anwesend.

Pink Apple Short Film Award 2016 – Laudatio
Carina – Sandra Concepión Reynoso Estrada
Mexiko 2015, 11’

«Carina» packt das Publikum von der ersten bis zur letzten Einstellung mit schnellen, filmischen Wechseln und einem Kind, das sich selbst sucht und schliesslich auch findet. Mutig wählt die Filmemacherin als Hauptelement die Farbe Rot. Kitschig?
Carina hat damit kein Problem. Die Jury findet es herrlich, wie sich das Kind eine Identität holt, die sich knallrot von der grauen Schuluniform abhebt. «Das bin ich», signalisiert Carina, «und das bleibe ich.»
Zielstrebig folgt Carina ihren Emotionen. Mutig tanzt sie Rock ’n’ Roll mit ihrer Lehrerin, mit geschlossenen Augen wagt sie ein Küsschen auf die knallroten Lippen ihrer Auserwählten und wird vom Schulportier erwischt. Alles gewagt, alles verloren? Schule und Kirche intervenieren, doch Carina folgt ihren Träumen und wehrt sich. Die Botschaft ist klar: Carina wird die Kirche, die Eltern, die Lehrerschaft hinter sich lassen und im rot lackierten Cabriolet das Weite suchen, chauffiert von ihrer Traumfrau, in den Haaren den Fahrtwind, die Hand auf dem erotisch bestrumpften Bein.

Die Jury ist vom Konzept des Films überzeugt: Einem Kind wird eine Stimme gegeben, eine starke Stimme, die nicht verstummt. Diesem Thema ist Sandra Concepción Reynoso Estrada mit ihrer Kameraführung und ihrem Filmschnitt konsequent nachgegangen. Getragen wird der Film ebenso von den aussergewöhnlichen Leistungen der Schauspieler/innen: wunderbar unterlegt mit Drama, Humor, Ironie und nicht zuletzt dem schnulzigen Rock ’n’ Roll der 70er-Jahre. Die lebensbejahende Entwicklung Carinas so wie ihr Wille, nicht aufzugeben, hat uns besonders beeindruckt.p/p>

Special Mention: Hole – Martin Edralin
Kanada 2014, 15’

Der Regisseur Martin Edralin zeigt uns durch eine zurückhaltende, respektvolle Kameraführung den Alltag von Billy, eines körperlich behinderten Menschen, der sich nach Liebe und Sexualität sehnt und sich damit schliesslich seinem Pfleger anvertraut.
Uns beeindruckte Edralins Mut, den Zuschauer schonungslos und unbeschönigt mit Körperbehinderung und all ihren Facetten zu konfrontieren – anders als bei massentauglichen Filmen, die dasselbe Thema haben und auch entgegen dem vorherrschenden Jugend- und Schönheitswahn. Er schreckt auch nicht davor zurück, Schattenseiten und unerfüllte Bedürfnisse in Billys Leben zu zeigen. Wir sind der Meinung, dass letztlich nur das zu einer vollen gesellschaftlichen Akzeptanz von beeinträchtigten Menschen führen kann.

Die Jury mochte den Willen des Protagonisten und seine Entscheidung, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen – und damit auch die Hoffnung, die der Film trotz allem vermittelt.

Informationen zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern.

Léa Pool
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Pink Apple
Festival Award

Auszeichnung für Léa Pool

2. PINK APPLE FESTIVAL AWARD – LÉA POOL

Léa Pool ist eine Pionierin: als Frau, die sich in den 70er-Jahren dem Filmemachen zuwandte und bis heute mit internationalem Renommee und viel Engagement ihrer Leidenschaft, dem Autorenfilm, treu geblieben ist. Sie ist aber auch eine Pionierin als Filmemacherin: indem sie wiederholt homosexuelle Beziehungen und insbesondere lesbische Liebe als selbstverständlich in ihre Filme einfliessen liess oder sie ins Zentrum stellte.

Aus einer kosmopolitischen Familie stammend und in der Westschweiz aufgewachsen, wanderte Léa Pool in den 70ern nach Kanada aus und besuchte dort die Filmschule. Zu Beginn verfolgten ihre Filme einen eher experimentellen Stil. Sie drehte in Schwarzweiss, lotete das Beobachten in der Zeit aus, verzichtete meist auf Dialog, liess ihre Protagonistinnen, meist Frauen, sich und und ihren Kosmos entdecken – im Kleinen wie im Grossen, auf der Suche nach sich, nach Liebe, nach einem Platz in dieser Welt. Marguerite Duras, Jean-Luc Godard, Andrei Tarkowski waren ihre Vorbilder für Filmgeschichten, die mit den Erzählkonventionen brachen und in eine poetische Dimension ausschweiften.

Inhaltlich ging die Regisseurin oft von sich, von ihrem unmittelbaren Umfeld und Erleben aus. Sie liess sich und ihre Biografie in ihre Werke einfliessen. In einem ihrer ersten grossen Filme, «Anne Trister», beschrieb Léa Pool eine junge Frau auf der Suche, die alles zurückliess: Liebe, Heimat, und damit die Schweiz, die Familie – um auf einem anderen Kontinent, in Kanada ein neues Leben zu beginnen. Und sich dabei in eine Frau verliebte. Der Film entstand 1986 und gehört mit zu den allerersten Filmen, die das Lesbischsein aus authentischer Ich-Erfahrung heraus schilderte, ohne es zu problematisieren oder Klischees zu bemühen. Der Film, der damals für die Berlinale ausgewählt wurde, stellte für Léa Pool den internationalen Durchbruch dar. «Anne Trister», der hier in der Schweiz in den Kinos gezeigt wurde, sollte für viele Lesben damals ein Meilenstein sein. Und er ist es bis heute als wichtige filmische Erinnerung und als Teil der lesbischen Filmgeschichte.

Léa Pool drehte ab den 80er-Jahren in regelmässigen Abständen weitere Filme – etwa «A corps perdu», «La demoiselle sauvage», «Mouvements du désir». Die meisten erzählten von einem Wendepunkt des Lebens – von einer Krise nicht nur in emotionaler Hinsicht, sondern oft auch in Bezug auf ein künstlerisches Schaffen – etwa Fotografie oder Malerei. Léa Pool thematisierte damit auch ihre eigene Entwicklung, die sich vom experimentellen Film hin zum breiter aufgestellten Erzählkino, von dokumentarischen Porträt zum engagierten Dokumentarfilm hin bewegte. 1999 dann entstand «Emporte-moi», mit dem Léa Pool wieder zu ihrer eigenen Biografie zurückkehrte und einen weiteren grossen Schritt in ihrer Filmkarriere vollzog.

«Emporte-moi» ist ein Coming-of-Age-Drama, in dessen Mittelpunkt die 14-jährige Hanna steht. Vor dem Hintergrund einer schwierigen Familienkonstellation entdeckt Hanna nicht nur das Kino als Referenz mit Godards «Vivre sa vie» – dessen Titel auch als Motto schön über die von Léa Pool erzählten Geschichten gesetzt werden könnte. Das junge Mädchen in «Emporte-moi» macht auch ihre ersten Schritte in der Liebe: Hanna verliebt sich erst in ihre Lehrerin, in der sie Godards Filmprotagonistin wiederzuerkennen glaubt, und macht dann ihre ersten Schritte in Sachen sexuelle Identität – als sie gegenüber ihrer besten Freundin Laura Gefühle zu entwickeln beginnt. Der Film erhielt viele grosse internationale Auszeichnungen, darunter auch den Schweizer Filmpreis als bester Spielfilm im Jahr 2000.

Frauen spielen neben Heranwachsenden und Kindern fast immer die Hauptrolle in den Filmen von Léa Pool. «Female Bonding» ist bei Léa Pool aktiv gelebte Anteilnahme, Seelenverwandtschaft, Gemeinschaft, Solidarität – wie wir das auch in ihrem jüngsten Film «La passion d’Augustine» wieder sehr anschaulich gesehen haben.

Aber auch das Lesbischsein rückte die Regisseurin erneut ins Zentrum – zwei Jahre nach «Emporte-moi» in «Lost and Delirious», in dem Pauline und Victoria, zwei Schülerinnen eines Internats, ein Liebespaar sind. Während sie für sich ihre Liebe selbstverständlich leben, zerbricht Victoria am Druck ihres Umfelds und beendet die Beziehung und ihre eingestandenermassen grosse Liebe aus Angst vor ihren konservativen Eltern und voreingenommenen Mitschülerinnen. Der Film wurde wieder zu einem Meilenstein – diesmal für eine jüngere Generation Lesben, denen der Titel wohlvertraut ist.

Nicht zuletzt weil wir alle wissen, was für eine wichtige Funktion Filme haben können, wenn es um Identitätssuche und Selbstfindung geht – aber auch um dessen Wirkung darüber hinaus, wenn es darum geht, Akzeptanz in der Gesellschaft zu schaffen –, haben wir den Pink Apple Festival Award ins Leben gerufen, den wir seit dem letzten Jahr dank einer privaten Gönnerin vergeben können und der wir an dieser Stelle herzlich danken. Der Pink Apple Festival Award soll Regisseurinnen und Regisseure für ihr Werk im schwullesbischen Bereich auszeichnen.

30 Jahre nachdem «Anne Trister» zu Léa Pools erstem grossen Erfolg wurde, möchten wir der Regisseurin nun im Rahmen des 19. Pink Apple als zweiter Preisträgerin den Pink Apple Festival Award verleihen – aufgrund ihres bisherigen Werks, in dem sie homosexuelle Liebe und insbesondere das Lesbischsein verschiedentlich richtungsweisend thematisierte – und vor allem als ein selbstverständliches Element des Lebens und seiner Vielfalt. Ihre Filme repräsentieren gleich für mehrere Generationen von Lesben wichtige Bezugspunkte. Wir freuen uns deshalb sehr, dass Léa Pool den weiten Weg in die Schweiz auf sich genommen hat und in den vergangenen Tagen mit uns einmal mehr eine Reise durch ihre Filme angetreten hat. Wir gratulieren ganz herzlich – in Anerkennung ihres bisherigen Schaffens und in Vorfreude auf ihre kommenden Werke.

Informationen zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern.

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